Tricks der Banken

Die Maschen der Banken

Manche Kunden der Banken glauben noch immer
vertrauensselig deren Werbung und bauen sich
(und ihrem Geld) die Fallen selbst.
Als Beispiel hat sich Buchautor Udo Keßler eine
fiktive Werbung ausgedacht: „100 % für ein Jahr!“
Ein kritischer Geldanleger wird fündig im Kleingedruckten
dieses unwiderstehlichen Werbe-Angebots, denn dort steht:
„Dieser Zins wird nur Neukunden gewährt.
Maximaler Anlagebetrag € 100.
Gleichzeitig müssen auf einem Sparbuch € 10.000
für ein Jahr mit einem Zins von 2 % angelegt werden.“
Mit diesem einfachen Trick werden aus den großspurig
versprochenen 100 % pro Jahr weniger als 3 %!


Illustration von Peter Krisp

Will der Autor mit dieser scheinbaren Übertreibung einfach nur
die Aufmerksamkeit neuer Leser auf sich lenken?
Keineswegs, denn es scheint bei den Banken Methode geworden zu sein,
mit solcher „Blickfang-Werbung“ unaufmerksame oder zu vertrauensselige Kunden anzulocken,
um dann mit dem Kleingedruckten den Vorteil der Bank zu mehren.
Dazu weitere Beispiele aus dem Buch „Die Masche mit den Sternchen“ von Udo Keßler, Peter Lutzmann und Peter Krisp:
Die „Volkswagen Bank direct“ wirbt mit ihrem „Plus-Konto Top-Zins“ um Tagesgeld.
Der hohe Zinssatz gilt jedoch nur für Neukunden.
Die Zeitschrift „Finanztest“ verleiht dieser Bank sogar das Qualitätssiegel „dauerhaft gut“!
Und die Bank baut dieses „Qualitätssiegel“ natürlich in ihre Werbung ein,
was bei vielen Lesern dieses „Fachmagazins“ das Vertrauen in diese Bank leider noch verstärkt!
Manche cleveren Anleger nutzen solche - scheinbar günstigen - Angebote und
wechseln danach zur nächsten Bank, um dort als Neukunde ebenfalls
wieder von „günstigen“ Angeboten zu profitieren.
Davon raten die drei Autoren jedoch ab.


Von verschiedenen Banken wurde auch schon angeboten,
eine sehr hoch verzinste Geldanlage
mit einem Investmentfonds zu kombinieren.
Den angepriesenen Top-Zins kann der neue Kunde
allerdings nur mit einem Teil seiner Anlagesumme nutzen,
den anderen Teil muß er in bestimmte –
von der Bank „empfohlene“ – Investmentfonds einzahlen -
natürlich mit maximalen Kaufgebühren.
Als „Sieger der Raffinesse“ bezeichnen die Autoren
das Sparbuch „Börsensieger“ der Postbank,
bei dem die Anleger entgegen der Werbung
nur minimal an den Börsengewinnen partizipieren.


Illustration von Peter Krisp

Auch die Werbung für „Plastikgeld“ ist sehr mit Vorsicht zu genießen.
Die Postbank z.B. warb für eine Kreditkarte:
„Dank der neuen, cleveren Sparfunktion Ihrer Postbank Visa Card kassieren Sie
ab sofort auch attraktive Zinsen von bis zu 2,7% p.a. auf Ihr gesamtes Guthaben!“
Im Kleingedruckten konnte man dann lesen, daß es die 2,7 % Zinsen
erst ab einem Guthaben von € 25.000 auf dem Kreditkartenkonto gibt.
„Wer zwischen € 5.000 und € 24.999 auf dem Kartenkonto parkt,
erhält mit einem Zinssatz von 2,2 % schon weniger
als auf einem durchschnittlichen Tagesgeldkonto“, kritisieren die Autoren.
In einem weiteren Beispiel schreiben die drei Zinsexperten auch über die Deutsche Bank.
Sie erweckte in der Werbung den Eindruck,
dass sie für ihr Produkt „DB Geldmarkt-Sparen“ einen Zins zahlt,
der über dem durchschnittlichen Zinssatz für Tagesgeld liegt.
Doch erstens gab es den dick gedruckt beworbenen Zinssatz von 3,65 % erst
ab einem Anlagebetrag von € 100.000. Und zweitens ist Lutzmann aufgefallen,
dass dieser Zins mit jenem Satz verglichen wurde,
der durchschnittlich für Beträge ab € 50.000 gezahlt wird.
Drittens kann durch den Vergleich mit Tagesgeld bei manchen Bankkunden
der Eindruck entstehen, sie könnten bei diesem Produkt ähnlich flexibel
wie beim Tagesgeld über ihr Geld verfügen.
Tatsächlich sei es jedoch ein Sparkonto mit dreimonatiger Kündigungsfrist,
bei dem üblicherweise nur € 2.000 monatlich freí verfügbar sind.
Ob Tages- oder Festgeld, besondere Sparbücher, Sparpläne, Zinspapiere,
Immobilien- oder auch Ratenkredite:
In einer Zeit, in der die Geldhäuser nicht mehr um das Vertrauen ihrer Kunden werben,
sondern sich gegenseitig mit (Kundenfang-)Konditionen überbieten wollen,
sollten die Kunden den Banken nicht blind vertrauen!
Denn die Maschen der Banken bleiben nicht übersichtlich und werden
von Finanz-Laien oft nicht (sofort) durchschaut.


„Die Masche mit den Sternchen“ von Udo Keßler, Peter Lutzmann, Peter Krisp. Erschienen im Produktcheck-Verlag, Mülheim, 124 Seiten, 29,80 Euro, ISBN 978-3-9812180-0-8.

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Wolfgang Pecher


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